Das professionelle Ein- und Auswintern von Booten zählt mit zu den Kerngeschäften von Boote Polch. Welcher Aufwand und welche Tätigkeiten hinter diesem nur scheinbar simplen Service stehen, wollten wir von unserem Fachmann, Herrn Wolfgang Emmerich, wissen.
Herr Emmrrich, viele Meinungen gehen dahin, dass hinter dem Begriff Winterlager lediglich das Abstellen des Bootes an Land während der Wintermonate gemeint ist. Trifft diese Annahme zu?
WE: „Nein, ganz und gar nicht. Der gesamte Winterlager-Service stellt einen von uns genau definierten Arbeitsablauf dar, der zahlreiche einzelne Schritte und Arbeiten beinhaltet. Die Art wie wir vorgehen ist das Resultat jahrzehntelanger Erfahrungen in diesem Bereich und dient nur in zweiter Linie dazu, einen Abstellplatz während der kalten Jahreszeit zur Verfügung zu stellen. In erster Linie geht es uns darum, dem Kunden im Frühjahr ein Top gepflegtes und gewartetes Boot zurückzugeben. Wir kümmern uns um den Werterhalt des Bootes und sind bemüht, eine sorgenfreie nächste Saison zu gewährleisten.“
Können Sie uns einen kurzen Abriss geben, welche Tätigkeiten hinter dem Winterlager stecken?
WE: „Diese beginnen bereits bei der Auftragsannahme, wenn das Boot noch im Wasser liegt. Anhand der Betriebsstunden des Bootes und der vergangenen Service-Tätigkeiten, die bei uns gespeichert sind, beraten wir den Kunden, welche Arbeiten an Motor und Antrieb gemacht werden sollten. Werden Schäden sichtbar, wird der Kunde informiert. Gesondertes Angebot gibt es, wenn im Rahmen der Servicearbeiten in der Werft versteckte Mängel oder Schäden auftauchen. Letztendlich entscheidet der Kunde was er dann machen lassen will und was nicht. Alles andere wäre unseriös und gehört nicht zu unserem Geschäftsgebaren. Auch kann der Kunde in diesem Beratungsgespräch bereits seinen gewünschten Einwasserungstermin für das Frühjahr bekannt geben.“
Wie sieht der übliche Ablauf aus?
WE: „Die Mechaniker beginnen die Einwinterung mit einem kompletten Check des Schiffes, welcher bei einer ausführlichen Probefahrt durchgeführt wird. Noch im Wasser beginnen wir dann mit dem Motorenservice, dessen Umfang sich nach Anzahl der gefahrenen Betriebstunden richtet. Das heißt, Motor und Mechanik werden gewartet und einer Kontrolle unterzogen, Öl, Diesel-, Öl- und Luftfilter werden gewechselt. Dann kommt das Boot mit unserem hydraulischen Slipwagen an Land. Der Rumpf und das Oberdeck werden mit speziellen Reinigungsmitteln gewaschen und entkalkt. Hier wird noch richtig mit dem Schwamm gearbeitet, um das Gelcoat zu schützen und auch wirklich jede Ecke und jede Verschmutzung zu erreichen. Das Unterwasserschiff wird ebenfalls einer pfleglichen Reinigung unterzogen, der Antrieb von Bewuchs und Muscheln befreit und entkalkt. Danach wird das saubere Boot vom Hafen zum Betriebgelände/Winterlagerplatz transportiert um mit den weiteren Service und Einwinterungsarbeiten fortzufahren.“
Das klingt nach einem immensen Zeitaufwand?
WE: „Ja, aber das war noch lange nicht alles. Dazwischen und danach folgen viele kleine und vor allem zeitaufwendige Schritte, die aber sehr wichtig sind, um einen einwandfreien Betrieb im kommenden Jahr zu gewährleisten. So müssen beispielsweise der Warmwasserboiler und die Leitungen entwässert, die Wasserpumpen geöffnet, der Impeller überprüft, ausgebaut und die Filter entleert werden. Der Propeller wird überprüft und gegebenenfalls demontiert und repariert. Des weiteren zählen die genaue Kontrolle der Gummibälge, Wellenabdichtung, der Schaltkabel und der Anoden sowie ein Check der Elektrik und Elektronik auf ihre Funktionstüchtigkeit zum Standardprogramm. Zum Abschluss werden die Batterien einem Belastungstest unterzogen, Batteriewasser aufgefüllt und abgeklemmt. Wenn der mechanische Teil abgeschlossen ist, wird das Boot innen gereinigt, getrocknet und mehrere Entfeuchter aufgestellt. Zum Schluss wird es mit einer Winterplane so abgedeckt, dass Regen und Schnee keine Wassersäcke bilden können. Der gesamte Ablauf wird durch eine Checkliste für Sie dokumentiert und mit der Rechnung vorgelegt.“
Nachdem alle Arbeiten bereits im Herbst erledigt wurden, brauchen Sie das Boot im Frühjahr nur noch ins Wasser legen, oder?
WE: „Unser Servicekatalog ist zwar mit all diesen Tätigkeiten fürs erste abgearbeitet, aber auch das Auswintern birgt eine Reihe von Arbeiten mit sich. Bevor das Boot aus dem Winterlager geholt wird, prüfen wir das Antifouling und informieren den Kunden, sofern ein Neuanstrich sinnvoll ist. Und wer hier am falschen Fleck spart, bezahlt dies letztendlich mit schlechteren Gleiteigenschaften und höherem Treibstoffverbrauch. Danach werden die Batterien erneut einem Belastungstest unterzogen und wieder angeschlossen. Sollten die Batterien schadhaft sein, bauen wir neue ein. Motor und Zubehör werden in Betriebszustand gebracht und das Boot innen und außen erneut gereinigt. Außen behandeln wir das Boot auf Kundenwunsch mit einem speziellen Wachs. Danach laden wir das Boot wieder auf unseren Slipwagen und bringen es, nachdem wir es vollgetankt haben, in den Hafen zum Einwässern. Bevor es am Liegeplatz vertäut und zugedeckt wird, kontrollieren wir anhand einer ausführlichen Probefahrt sämtliche Systeme erneut über eine Checkliste auf ihre reibungslose Funktionsfähigkeit. Der Kunde erhält von uns ein sauberes und gepflegtes Schiff zurück, mit dem er den ganzen Sommer viel Freude haben wird.“
Wie steht es um das Gas an Bord?
WE: „Dieser Punkt wir auch durch die Checkliste kontrolliert und falls erforderlich wird eine autorisierte Firma mit der alle zwei Jahre fälligen Gasabnahme beauftragt.“
Ist das Schiff bei Arbeiten und Probefahrten versichert?
WE: „Ja natürlich, unsere Firma ist über eine sogenannte General Police des Yachtversicherers Pantaenius für alle Eventualitäten gewappnet. Nur während der eigentlichen Winterlagerzeit greift die Yacht-Versicherung des Eigners.“
Haben die Mechaniker, welche die Schiffe einwintern, eine spezielle Ausbildung?
WE: „Ja, jeder meiner Kollegen besucht im Jahr durchschnittlich eine Woche lang Lehrgänge in seinem persönlichen Fachgebiet. Das unterscheidet doch gerade eine Fachwerkstatt von einem Schrauber. Wir sind immer »up to date«.“
Bieten Sie auch ein Hallen-Winterlager an?
WE: „Nein, momentan noch nicht. Wichtig ist es aber dabei zu differenzieren. Nur eine isolierte, beheizte Winterhalle hat Vorteile gegenüber einem Freilager unter der Plane, da viele der genannten Einwinterungsarbeiten nicht durchgeführt werden müssen. Eine unisolierte Halle ist meiner Meinung sogar schlechter als die Lagerung unter einer Plane. Schwitzwasserbildung kombiniert mit mangelnder Luftzirkulation führt zu einem hohen Risiko an Stockfleckenbildung.“
Warum bieten Sie keine beheizte Halle an?
WE: „Wir arbeiten daran. Sprechen wir uns nächstes Jahr wieder.“
Nun verwundert es nicht mehr, dass hinter dem Winterlager-Service auch angemessene Kosten stecken. Gibt es für den Kunden dennoch eine Möglichkeit, diese Kosten zu reduzieren?
WE: „Zuerst möchte ich darauf hinweisen, dass ein Teil der Gesamtkosten im Rahmen des Umweltschutzes und der gesetzlichen Auflagen anfällt und für uns eine aufgezwungene Grösse in der Kalkulation darstellt. So fallen bei der Entsorgung von Altöl, Filtern und Batterien erhebliche Kosten an. Somit trägt der Kunde automatisch einen Teil am Erhalt unserer sauberen Umwelt bei. Es gibt aber durchaus Möglichkeiten, die Gesamtkosten für den Winterlager Service zu reduzieren, da wir nicht pauschal, sondern nach effektivem Arbeitsaufwand verrechnen. Wenn der Bootseigner im Herbst selbst den Treibstofftank füllt, den Kühlschrank ausräumt und Wäsche sowie Getränke aus den Backskisten nimmt, bedeutet dies für uns natürlich auch weniger Arbeit und letztendlich geringere Kosten. Ein wichtiger Punkt ist auch das Leeren des Fäkalientanks und das von Bord nehmen eines LCD-Fernsehers oder einer Kaffeemaschine.
Da uns unsere Kunden wirklich am Herzen liegen, stehen wir für ausführliche Beratungsgespräche jederzeit zur Verfügung und sind stets bemüht, gemeinsam mit dem Bootseigner ein für ihn passendes Package auszuarbeiten.
Wichtig ist noch zu sagen, das dieser regelmäßig Service durch eine Fachwerkstatt Sie vor unangenehmen Überraschungen im Urlaub schützt und sich langfristig sogar sehr positiv auf den Werterhalt des Schiffes auswirkt.“
Wolfgang Emmerich, vielen Dank für das informative Gespräch.